MedienmitteilungZürich29. April 2026

Vernachlässigte psychische Gesundheit könnte bis 2030 Kosten in Höhe von bis zu 5% des BIP verursachen

Psychische Erkrankungen bergen ein bedeutendes, aber oft unterschätztes wirtschaftliches Risiko. Ihre Auswirkungen sind bereits spürbar, lange bevor sie sich in Gesundheitssystemen oder öffentlichen Haushalten niederschlagen. In manchen Ländern wird erwartet, dass bis zum Jahr 2030 etwa jeder dritte Erwachsene im erwerbsfähigen Alter mit einer psychischen Erkrankung leben wird. Die damit verbundenen Auswirkungen auf die Produktivität könnten bis zu 5% des BIP erreichen.

Die Studie The Value of Mental Health (Der Wert der psychischen Gesundheit) von Zurich Insurance Group (Zurich), zeigt, dass die grössten Kosten psychischer Erkrankungen oft ausserhalb formeller Schutzsysteme entstehen. In den sechs untersuchten Ländern – Australien, Chile, Deutschland, Malaysia, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Vereinigtes Königreich – tragen Belastung für Einzelpersonen, Familien und Arbeitgeber die Hauptlast, da Verluste bezüglich Wohlbefinden und Produktivität die formellen Ausgaben für psychische Gesundheit bei Weitem übersteigen können.

Infographic from the Mental Health Report: Global Prevalence


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Da die Herausforderungen im Bereich der psychischen Gesundheit zunehmend strukturelle Auswirkungen auf die Wirtschaft zeigen, müssen Unternehmen dringend ihren Beitrag zur Stärkung widerstandsfähiger Schutzsysteme leisten. Unsere Erfahrung zeigt, dass etwa ein Drittel der Mitarbeitenden unserer Firmenkunden, die im Rahmen der Rehabilitationsdienste von Zurich frühzeitige Unterstützung erhalten, erwerbstätig bleiben kann, statt ganz aus dem Arbeitsleben auszuscheiden. Daher sollten die Verantwortlichen in den Unternehmen früher handeln, um zu verhindern, dass sich erste Probleme zu einem langfristigen Rückzug aus dem Erwerbsleben und der Gesellschaft entwickeln.

Alison Martin, CEO Life, Health and Bank Distribution


Eine Belastung, die in erster Linie Menschen und Familien trifft

In den untersuchten Ländern wird davon ausgegangen, dass Menschen, die mit psychischen Erkrankungen leben, jährlich zwischen 60 und 67 gesunde Lebenstage verlieren. Auf nationaler Ebene beläuft sich dies auf 0,3 bis 2,9 Millionen verlorene gesunde Lebensjahre pro Jahr und Land1, was etwa 7% bis 14% der gesamten Verluste von Wohlbefinden aufgrund sämtlicher Ursachen entspricht. In den meisten Ländern ist diese Belastung mit der durch alle Krebsarten zusammen vergleichbar (etwa 6% bis 19%).

Wenn formelle Systeme nicht in der Lage sind, frühzeitig zu reagieren, verlagert sich die Versorgung zunehmend auf Familien und Gemeinschaften. Je nach Land kann dies bis zu 1'275 Stunden informeller Pflege pro Jahr bedeuten – eine beträchtliche Belastung, die aber meist unsichtbar bleibt und nur selten in offiziellen Statistiken erscheint.

Eine wachsende Beschäftigungslücke

Die grössten wirtschaftlichen Auswirkungen entstehen nicht durch kurzfristige Krankheitsausfälle, sondern durch die wachsende Beschäftigungslücke, d. h. die Diskrepanz zwischen den Beschäftigungsquoten von Menschen mit und ohne psychische Erkrankung. In allen Ländern ist die Wahrscheinlichkeit deutlich geringer, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen erwerbstätig sind, da sie ihre Erwerbstätigkeit aufgeben, Schwierigkeiten haben, wieder in den Beruf zurückzukehren, oder gar nicht erst ins Erwerbsleben eintreten.

Diese Diskrepanz ist besonders stark ausgeprägt, wenn Probleme mit der psychischen Gesundheit bereits in jungen Jahren auftreten. In mehreren Ländern werden psychische Erkrankungen zunehmend vor oder bei Eintritt in den Arbeitsmarkt festgestellt. Dies erhöht das Risiko, dass frühe Probleme die ersten Arbeitsplätze, den Erwerb von Qualifikationen sowie die langfristige Bindung an eine Erwerbstätigkeit beeinträchtigen. In einigen Ländern beträgt die Beschäftigungslücke bis zu 29%.

Da Automatisierung und künstliche Intelligenz die Einstiegsmöglichkeiten in die Arbeitswelt neugestalten, indem sie Routineaufgaben reduzieren und Qualifikationsanforderungen erhöhen, wird sich dieser Druck voraussichtlich noch verstärken. Damit werden frühzeitige Unterstützung, flexible Wege und Belastbarkeit in wichtigen beruflichen Übergangsphasen immer wichtiger, um zu verhindern, dass vorübergehende psychische Probleme zu einem dauerhaften Rückzug aus dem Arbeitsmarkt führen.

Frühzeitiges Handeln ist wichtig

Auf allen Arbeitsmärkten zeigt sich ein deutliches Muster: Das Bewusstsein wächst, doch Unterstützung kommt oft zu spät, nämlich erst, nachdem sich Probleme bereits in Form von eingeschränkter Funktionsfähigkeit, in Abwesenheiten oder im Rückzug aus dem Arbeitsleben niedergeschlagen haben. Zu diesem Zeitpunkt gehen die entstandenen Kosten bereits weit über Gesundheitssysteme hinaus und treffen Einzelpersonen, ihre Familien und Arbeitgeber.

Der Bericht macht deutlich, dass frühzeitiges Handeln eine klare Chance bietet. Dies beinhaltet einen schnelleren Zugang zu Massnahmen und eine bessere Triage, praktische Lösungen für den Verbleib am und die Rückkehr an den Arbeitsplatz sowie eine Verringerung der stillen Verlagerung des Drucks auf Haushalte und Arbeitsgeber, wenn formelle Unterstützung ausbleibt.

Über alle Länder und Modelle hinweg zeigt sich eine einheitliche Botschaft: Frühzeitiges Handeln verhindert, dass sich kurzfristige Probleme in langfristigen Rückzug verwandeln, und schützt gleichzeitig Wohlbefinden, Teilhabe und Widerstandsfähigkeit.

Wichtigste Ergebnisse auf einen Blick

  • In Ländern mit höherer Sichtbarkeit nimmt die Prävalenz psychischer Probleme rapide zu: So wird in Australien und Grossbritannien bis 2030 etwa jeder dritte Erwachsene im erwerbsfähigen Alter von psychischen Erkrankungen betroffen sein.
  • Menschen mit psychischen Erkrankungen verlieren jedes Jahr etwa zwei Monate ihrer gesunden Lebenszeit (60 bis 67 Tage).
  • Dies beläuft sich auf 0,3 bis 2,9 Millionen verlorene gesunde Lebensjahre pro Jahr und Land, was etwa 7 % bis 14 % der gesamten Verluste von Wohlbefinden aufgrund sämtlicher Ursachen entspricht.
  • Die Gesamtkosten für das Wohlbefinden belaufen sich auf den sechs untersuchten Märkten auf nahezu 1 Billion USD jährlich (USD 24 bis 403 Mrd. pro Land).
  • In einigen Ländern sind die Verluste an Wohlbefinden bis zu 49-mal höher als die formellen Ausgaben für die psychische Gesundheit.
  • Produktivitätsverluste könnten bis 2030 fast 5% des BIP erreichen, hauptsächlich aufgrund des Ausscheidens betroffener Menschen aus dem Erwerbsleben.
  • Diese Last wird zum grossen Teil von Familien und Einzelpersonen getragen: Pro Jahr werden bis zu 43% der Behandlungskosten aus eigener Tasche bezahlt und bis zu 1'275 Stunden unbezahlte Pflege geleistet.

1 Die Auswirkungen des Lebens mit psychischen Erkrankungen werden in verlorenen gesunden Lebensjahren (behinderungsangepassten Lebensjahren oder Disability Adjusted Life Years/DALYs) gemessen. Diese umfassen sowohl Morbidität (Lebensjahre mit Behinderung) als auch Mortalität (verlorene Lebensjahre). Ein DALY entspricht dem Verlust des Äquivalents eines Lebensjahres bei voller Gesundheit.

Über die Studie

In der Studie «The Value of Mental Health» werden die aktuellen und künftigen Auswirkungen psychischer Erkrankungen in Australien, Chile, Deutschland, Malaysia, den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Vereinigten Königreich anhand einer Analyse öffentlicher Daten bewertet. In der Studie sind somit sowohl Schwellenländer als auch entwickelte Märkte vertreten. Der Bericht misst die Auswirkungen auf Menschen, Produktivität und Schutzsysteme bis zum Jahr 2030 anhand von Kennzahlen wie verlorene gesunde Lebensjahre, Lücken in der Erwerbsbeteiligung sowie Kosten auf Systemebene.

Weitere Informationen

Den Bericht «The Value of Mental Health» finden Sie hier.

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Zurich Insurance Group (Zurich) ist ein führender globaler Mehrspartenversicherer, der vor mehr als 150 Jahren gegründet wurde. Das Unternehmen betreut heute über 82 Millionen Kunden in mehr als 200 Ländern und Gebieten und erzielt branchenführende Gesamtrenditen für seine Aktionäre.

Im Einklang mit dem Ziel «gemeinsam eine bessere Zukunft zu gestalten», bietet Zurich Präventionsdienstleistungen an, die über traditionelle Versicherungsprodukte hinausgehen, um Kunden dabei zu unterstützen, Resilienz aufzubauen. Seit 2020 unterstützt das Projekt «Zurich Forest» die Wiederaufforstung und Wiederherstellung der Biodiversität im Atlantischen Regenwald in Brasilien.

Die Gruppe hat ihren Hauptsitz in Zürich, Schweiz, und beschäftigt weltweit mehr als 65'000 Mitarbeitende. Zurich Insurance Group AG (ZURN) ist an der SIX Swiss Exchange kotiert und verfügt über ein Level I American Depositary Receipt Programm (ZURVY), das ausserbörslich an der OTCQX gehandelt wird. Weitere Informationen über Zurich sind verfügbar unter www.zurich.com.